Wie du Angst auf der tiefsten Ebene entwaffnest, ohne sie wegzumachen

Veröffentlicht am 7. Januar 2026 um 21:28

Es ist hell. Keine Sonnenbrille. Eine weite Landschaft.
Ich sitze hier in Manila – und während ich diese Zeilen schreibe, denke ich an die vielen Menschen, die mir schreiben, mit mir arbeiten wollen oder in Non-Dualitäts-Fragen immer wieder dasselbe berichten: Angst. Anspannung. Unruhe.

Also lass uns ehrlich hinschauen.
Nicht philosophisch. Nicht beschwichtigend.
Sondern direkt.

Woraus besteht Angst wirklich?

Dein gesamtes Leben entfaltet sich in einem offenen, weiten Feld von Gewahrsein.
In diesem Feld erscheinen:

  • Gedanken

  • Gefühle

  • Körperempfindungen

  • Wahrnehmungen

Angst ist nichts, was außerhalb dieses Feldes existiert.

Wenn du Angst genau untersuchst, findest du immer dieselben zwei Komponenten:

  1. Gedanken – meist eine Geschichte über eine bedrohliche Zukunft

  2. Körperempfindungen – Enge, Druck, Zittern, Hitze, Dichte

Mehr ist da nicht.

Das ist kein Bagatellisieren.
Das ist Präzision.


Der entscheidende Perspektivwechsel

Gedanken erscheinen im Bewusstsein.
Empfindungen erscheinen im Bewusstsein.

Und du bist nicht diese Gedanken oder Empfindungen.
Du bist das Bewusstsein, in dem sie auftauchen.

Lass die Gedanken für einen Moment im Hintergrund laufen.
Richte deine Aufmerksamkeit stattdessen auf den Körper.

Geh in die rohe Empfindung

Frag dich nicht, warum du Angst hast.
Frag dich nicht, was sie bedeutet.

Spüre stattdessen:

  • Wo genau im Körper ist sie?

  • Brust? Gesicht? Bauch?

  • Ist es Druck, Dichte, Vibration, ein elektrisches Zittern?

Nimm alle mentalen Etiketten weg.
Kein „unangenehm“. Kein „bedrohlich“. Kein „Angst“.

Nur reine Empfindung.

Das hier ist nichts Abstraktes.
Keine spirituelle Idee.
Das ist reale, physische Wahrnehmung.

Die Leinwand-Metapher (und warum sie funktioniert)

Stell dir eine Leinwand vor.

Auf ihr laufen intensive Szenen ab: Explosionen, Chaos, Dramatik.
Doch egal, was im Film passiert – die Leinwand bleibt unversehrt.

Oder stell dir einen Raum vor, durch den ein Feuer zieht.
Der Raum selbst bleibt Raum.

👉 Du bist diese Leinwand.
👉 Du bist dieser Raum.

Die Empfindungen erscheinen in dir,
aber sie berühren nicht, was du bist.

Auch wenn sie intensiv sind.

Was hier wirklich geschieht

Angst ist keine Bedrohung für dich.
Sie ist eine Erscheinung in dir.

Du bist das tragende Feld,
das Substrat,
die offene Weite,
in der all das auftaucht.

Wenn du das nicht nur verstehst, sondern erkennst,
verliert Angst ihren absoluten Charakter.

Sie ist dann nicht mehr „ich habe Angst“,
sondern: „Da ist Angst – und ich bin der Raum, in dem sie geschieht.“

 

Atem, Körperarbeit – ja. Aber das Fundament ist Identität

Natürlich gibt es hilfreiche Dinge auf der Ebene der Person:

  • Arbeit mit Glaubenssätzen

  • Gespräche

  • Erinnerungen integrieren

  • Körperliche Regulation des Nervensystems

All das kann unterstützen.

Aber das Fundament bleibt:

Dich selbst nicht als die Person zu kennen,
sondern als das Gewahrsein,
in dem die Person erscheint.

Dieser Teil von dir ist zeitlos,
unberührt,
nicht bedroht.


Fazit: Angst braucht keinen Kampf

Angst löst sich nicht auf, weil du sie wegdrückst.
Sie löst sich, weil sie vollständig erscheinen darf
in einem Raum, der nicht versucht, sie zu kontrollieren.

Du bist dieser Raum.

Und genau darin liegt die eigentliche Freiheit.

Frieden.

 
 

 

 

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